Ein Lehrer zum Fürchten: Erinnerungen an den Matheunterricht
Die Mathematik des Schreckens
Es sind die typischen Erinnerungen, die einem beim Gedanken an die Schulzeit kommen: Die Klassenkameraden, die nervösen Prüfungen, die unbezahlbaren Streiche und natürlich die Lehrer. Für viele Abiturienten hat sich besonders ein Mathelehrer in ihr Gedächtnis eingeschrieben – er war nicht nur ein Lehrer, sondern beinahe eine Legende. „Richtig fieser Hund“, so die einhellige Meinung der ehemaligen Schüler, wenn sie von den Herausforderungen berichten, die ihm eigen waren, und den mathematischen Rätseln, die sich im Nachhinein wie grausame Scherze anfühlten.
Es ist kaum zu glauben, dass in einem Klassenzimmer der Regel nicht nur Zahlen und Formeln, sondern auch schier endlose Ängste und seelische Qualen gelehrt wurden. Der Lehrer, dessen Name inzwischen nicht mehr in aller Munde ist, machte keinen Hehl aus seiner Unnachgiebigkeit. Mit einer Mischung aus unerbittlichem Drill und wohlgesetztem Humor verstand er es, die Schülerinnen und Schüler an ihre Grenzen zu bringen. Doch wie diese so unliebsame Form von Engagement nach Jahren einen ganz anderen, nostalgischen Glanz annehmen kann, das würde wohl kaum jemand ahnen.
Vermischte Gefühle
Anlässlich des Jubiläums, das die Schule feiert, kommen die einstigen Abiturienten zusammen und teilen ihre Geschichten, als wären es Anekdoten aus einem Kriegsbericht. Wenn sie von den schockierenden Klausuren mit kaum einem Punkt sprechen, mischt sich in ihrer Miene ein schalkhaftes Grinsen. Was damals die Schweißperlen auf die Stirn trieb, hat sich zu einer fast heldenhaften Erinnerung gewandelt. „Wir haben überlebt“, sagt einer der Absolventen und lacht. „Hätte ich damals gewusst, dass wir eines Tages darüber lachen werden, hätte ich vielleicht weniger geweint.“
So schmerzhaft die Mathematik zuweilen war, sie hat die Schlachtgemeinschaft zusammengeschweißt. Die gemeinsamen Anfechtungen, das stundenlange Grübeln über Derivate und Integrale, und das unerbittliche Aufbegehren gegen die mathematischen Gesetze verschmolzen in eine Art von Kameradschaft, die über die Jahre bleibt. Man fragt sich, ob dieser „fiese Hund“ vielleicht doch instinktiv wusste, dass solche Herausforderungen nicht nur zur Förderung mathematischen Wissens, sondern auch zur Entwicklung einer stärkeren Persönlichkeit führen.
Am Ende bleibt die Frage: Was ist aus dem einst gefürchteten Lehrer geworden? Und wer kann schon sagen, ob es nicht erfreulicher ist, im Nachhinein mit einem schmerzhaften Lächeln an seine Schulzeit zurückzudenken, als mit der Gewissheit, alles war zu einfach?